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Dr. med. Bernhard Schulz
Praxis für Lungen- und Bronchialheilkunde
Clayallee 345
14169 Berlin

Tel.: (030)8049 849-0
Fax: (030)8049 849-19

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Volker Mehner
Preußen – Dresden – Rom – Afrika : Malerei


Rede zur Ausstellungseröffnung am 20. August 2008 in der Praxis für Lungen – und Bronchialheilkunde, Dr. med. Bernhard Schulz, Clayallee 345, 14169 Berlin

Haben Sie sich die Einladungskarte für diese Ausstellung angesehen ? Mit der Reihung von Orten Preußen – Dresden – Rom – Afrika und dem Protagonisten, dessen Blick in die Ferne schweift…?
Man könnte meinen, Mehner sei ein neuer Humboldt. Seine Antwort würde Lachen sein und wahrscheinlich ein knappes abwehrendes „Humboldt wäre mir zu akademisch“.

Immerhin, Alexander von Humboldt hatte auf eine Karriere im preußischen Staatsdienst verzichtet, um Forschungsreisender zu werden, so, wie es immer sein Traum war. Mehner steht auch in niemandes Dienst und hat auf allerlei gepfiffen für seine Visionen vom Leben und von der Kunst. Er ist herumgekommen , hat die benannten Orte aufgesucht und noch einige andere, aber mehr ist er ein Gedankenreisender, womit wir bei Arno Schmidt wären und uns so langsam Mehners Kosmos nähern.
Arno Schmidt ist nie weggefahren, der hat das gehasst. Maximal um Oldenburg rum setzte er einen Fuß. – Die wahren Abenteuer sind halt die doch im Kopf…und sind sie nicht in deinem Kopf, dann sind sie nirgendwo…, oder wie sang dereinst ein Barde.

Wie kommt nun der Elefant nach Dahlem ?
Schon seit 1989/90 taucht der Dickhäuter im Oeuvre des im Erzgebirge gebürtigen, in Berlin lebenden Künstlers Volker Mehner auf. Aber da ist mehr im Busche als der Elefant als solcher, sonst wäre es kein „Mehner“.

Gebhard Leberecht von Blücher, seines Zeichens preußischer Generalfeldmarschall und als draufgängerisch bis zuweilen tollkühn beschrieben und bei der Truppe beliebt, wurde ob seiner offensiven Truppenführung „Marschall Vorwärts“ genannt. Er ging in große Kämpfe wie die Völkerschlacht bei Leipzig oder Waterloo, focht jedoch auch schon mal mit dem Degen gegen Fliegen, wenn er halluzinierte.
Der geniale Feldherr, gottgleich, konnte alles , bloß nicht kreißen, Kinder kriegen. Einen Tag vor Waterloo schlug ihm die Stunde und er dachte, er habe einen Elefanten im Bauch, gezeugt von einem französischen Soldaten…Viel mehr muß eigentlich nicht gesagt werden, um zu erklären, weshalb diese einzigartige Persönlichkeit den Künstler interessierte.
So geriet der Elefant erstmals aufs Bild. Später, unterm Eindruck längerer Afrika-Aufenthalte dann erneut. Mehner hat Elefanten gemalt mit gerolltem Rüssel und gestrecktem, Wasser sprengend, so dass es noch den letzten gelben Vogel schreckt.
Es gibt den gelben Dickhäuter mit fiebrigen Flecken, den roten mit afrikanischen Zeichen. Einen, auf dem wie in einer Sänfte ein Gondoliere mit Schlapphut Platz genommen hat – oder steht er dahinter ? – ein Reisender, ein Kundschafter, ein Poet unterm Firmament, da Mond und Sonne zu gleicher Zeit ihr gelbes Licht spenden und Augen aufmerksam spähen und über allem wachen.
Respekt gebietet ein prustender Elefant in Vorderansicht, der kraftvoll den Rüssel hochreißt. Unternehmenslustig nach Art der Bremer Stadtmusikanten kommen Elefant, Hund, Schildkröte und Schlange im Verein daher…
Wir ahnen : schon längst geht es nicht mehr um den Elefanten, sondern um Malerei, um das Erkunden einer Farbästhetik. Um Technik, Farbschichten, Überlagerungen, Plastizität – um Ausdruck. (Der Gegenstand ist unwichtig, aber da Mehner nun mal kein abstrakter Maler ist, bleibt der Elefant sichtbar.)
Wer mit Volker Mehner ins Gespräch kommt, kriegt schnell eine Ahnung von seinem enormen Wissen, gespeist aus jahrzehntelangem Selbststudium, getrieben vom Interesse an mythologischen, philosophischen, psychologischen, literarischen Themen. Manches klingt in den Bildern an, aber indem Mehner ironisch verfremdet, Dinge in eine neue Umwelt pflanzt, seine Bilder mit Assoziationen und Fragmenten anreichert, entgeht er den Versuchungen des Nostalgischen, Rückwärtsgewandten. Monumentalität hat keine Chance; nicht Ehrfurcht, sondern Spaß am Sehen und am Denken und am Fühlen wären ein schönes Resultat der Zwiesprache mit den Bildern.

Die zwei losen Gestalten im Vatikan machen es vor. Mit nacktem Finger zeigen die auf angezogene Leute, die wiederum von uns betrachtet werden.
Es handelt sich bei diesem Bild um eine Reminiszenz des Malers an seinen Aufenthalt in der Villa Massimo in Rom, wo er im Müll die Kopie eines altmeisterlichen Gemäldes aus dem Vatikanmuseum fand, es aufkaschierte und übermalte.

Auf den Bildern der Reihe „Überall ist Afrika“ scheinen einzelne Motive willkürlich auf dem Hellgrün platziert. Zeichenhaft auf lichtem Grund, in aufgelöster Ordnung und sehr unakademisch. Auch scheint viel Malgrund vor, vielleicht setzt der Künstler ja gleich die Arbeit fort. Mehner vollbringt es der Malerei etwas Unmittelbares zu verleihen, wie es sonst eher der Arbeit auf Papier vorbehalten ist.

In „Guten Tag, Herr Kirchner“ ist alter Fußbodenbelag verarbeitet, das gewürfelte Linoleum hätte im Dresdner Haus des Impressionisten liegen können und nimmt im Kontrast des Hell – Dunkel ein Prinzip des Holzschnitts auf. Die Mischtechnik aus Collage, Frottage, Übermalung beschwört Geister aus der Vergangenheit und Gegenwart. Die Zeitgenossen Mehner und Kirchner tauschen sich aus. Vielleicht über das Urthema des Malers und seines Standes in der Gesellschaft, denn „keine Tyrannei ist so groß wie die Tyrannei des ungesehenen Meisterwerks“ (Robert Hughes).

In einem Land, in dem, wenn jemand sagt, er sei Künstler, nicht als Reaktion kommt : „Oh, zeig mal her“, sondern stoßseufzend : „Und davon kannst Du leben?“ In so einem Land hats der Künstler doppelt schwer.
Schön, dass Sie alle gekommen sind !

 

Beate Lemcke, Berlin, www.irish-berlin.de

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