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Dr. med. Bernhard Schulz
Praxis für Lungen- und Bronchialheilkunde
Clayallee 345
14169 Berlin

Tel.: (030)8049 849-0
Fax: (030)8049 849-19

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Katrin Zickler
Das Leben


Rede zur Ausstellungseröffnung am 13. Mai 2009 in der Praxis für Lungen – und Bronchialheilkunde, Dr. med. Bernhard Schulz, Clayallee 345, 14169 Berlin

Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Ich freue mich ebenfalls Sie hier begrüßen zu können.

Katrin Zickler, die in ihrer Biographie Wert darauf legt von Jena nach Weimar gezogen zu sein, was glaube ich keine bildungsbürgerliche Attitüde ist , sondern der dortigen mehr Landschaft- Thüringen geschuldet ist, stellt heute hier aus.

Eine Ausstellung in der Praxis des Internisten – Pneumologen, Mann und Frau
könnten auch Praxis für Lungen –und Brochalheilkunde oder einfach Lungenarzt sagen, Dr. Bernhard Schulz

Es gibt nebenbei bemerkt eine illustre Schar von Vorbildern als Förderer und Mäzene von MalerInnen besonders im „Östereichischen“, Schwerpunkt Wien…
soviel zu unserem heutigen Gastgeber……

Und er tut es nicht zum ersten Mal - er ist ein Wiederholungstäter
Vielen Dank auch an Suse Blickensdorff für die Ideen und die gute professionelle Organisation.

Katrin Zicklers Plastiken und Bilder mit den zu sehenden Haltungen ,Verwundungen,
und Verletzungen passen scheinbar genau hierher
Wenn die Haut dünn wird beim Betrachter und das eine mögliche Wirkung von Kunst
ist -sein muß, dann unterstelle ich einfach, das Katrin Zickler die künstlerischen Möglichkeiten diese Gefühle zu erzeugen hat.

Kein „Gejammere“ an und über die Welt, kein Hauch von Selbstgefälligkeit - schon die Andeutung wird gebrochen ausgeräumt.
Die schrundigen Oberflächen, wo wir Glätte erwarten könnten ,belegen dies.
Wenn wir die hier gezeigten Arbeiten sehen vermutet man nicht ohne weiteres das Katrin Zickler vom Zeichnen kommt und hier war es eher der spitze Stift als die schraffierte runde weiche Fläche -
Begonnen mit Leinwand und Farbe und nicht gegenständlich hat sie vor ca. 10 Jahren..
……die anschließende Phase der Erkundung von sehr unterschiedlichen Materialien,
gegenständlicher und abstrakter Bildersprache ist wie sie sehen weiterhin ihr Thema.

Und diese Bilder haben In ihren Materialanhäufungen den Kratzungen und Farbüberläufen eine wirkliche Tiefe es wird dadurch eine Spannung erzeugt , die der Betrachter spüren kann.
Ihre Acrylbilder sind von ihrer Struktur und ihrer Machart genau wie die Plastiken

Eine vielleicht auf den ersten Blick widersprüchliche Aussage aber:
Es wird etwas hinzu gegeben -es wird an den Stellen die vielleicht dem Betrachter wehtun oder erst ihr und dann hoffentlich dem Betrachter etwas weggenommen, etwas zerstört - etwas aufgebaut.
Ein durchaus lange andauernder Prozess

Wenn man das - im besten Sinne - eigensinnige Werk in seiner Gesamtheit betrachtet sind Irritationen vielleicht die Vorraussetzung für Erkundungen zu den Antrieben der Malerin und im günstigen Fall zum eigenen Ich.
Da finden sich auch im ausliegenden Katalog und in Teilen hier zu sehen figürliche Plastiken, großformatige Öl- und Acrylmalereien, abstrakte Materialobjekte ,minutiöse gegenständliche Naturstudien, Collagen und druckgraphische Mischtechniken .

Da sind zum einen subtile oder sehr deutlichen Grazien, Figuren und Torsi die in ihrer teilweisen surrealen Überhöhung und expressiver Gestik Sinnlichkeit und Zerbrechlichkeit zugleich vorführen.
Die Puppe der kleine Mensch, der die StellvertreterIn als Gleichnis, Fetisch und verfremdeter Bedeutnistreger war besonders im 20. Jahrhundert das Thema vieler Künstler.
Passend zu Katrin Zickler sind hier Kiki Smith und Louise Bourgeois zu nennen Daneben steht in den letzten Jahren paritätisch das malerische Ouvre mit seinem
lyrisch abstrakten Formvortrag.

Es gibt Bilder von Katrin Zickler, die im ausliegenden Katalog zu sehen sind, die zu großen Teilen mit graphischer Vehemenz und eruptiver Pinselführung aufgetragen sind. Sehr raffiniert gespachtelte Flächen stehen im Kontrast zu homogenen Flächen.
Die Farbe ist meist von zart monogromer erdigen Tonigkeit
Die neusten Arbeiten: Linolschnitte in Verbindung mit Collagen schaffen Arbeiten von erzählerischer Form
.
Auch hier erlebt man ihr Gespür für Klarheit und Hierarchie der Form, genießt geradezu Farb- und Strukturkontraste.
Ihre kraftvolle haptisch- tachistische Malerei entbehrt dabei keineswegs subtiler Feinfühligkeit.
Das trifft ebenso auf ihre experimentellen Mischtechniken zu, die gespickt sind mit Piktogrammen, Klischees und naturalistischen Zeichnungen.
Insekten und Pflanzen kontrastieren farbgewalzte Flächen, sind Versatzstücke und Bedeutungsträger zugleich.
Gegenständlichkeit und Abstraktion gehen bei Katrin Zickler eine Symbiose ein die auch hier dem Erzählerischen geschuldet ist.

Zahlreiche Kompositionen scheinen mir Ausdruck einer Innerlichkeit, der Lebenssituationen, des Abarbeitens. ------ eigentlich eine Plattitüde
Aber Ihr großes Thema wird deutlich: Haltungen.
Dieses: wie begegne Ich der Welt
- mir selber
- wie reagiere ich
- wie verändert das Wirken - das Tun der Anderen
- mich.
Verletzungen.
Die Verdeutlichung von Grenzen , Überschreitungen - das bis hierher und nicht weiter können, der Verlust, wird in den Plastiken besonders deutlich.
Bei den Materialien gibt es bei Katrin Zickler denke ich keine Festmachen „an“.
Triviale Funde werden bei Katrin Zickler geadelt.
Gewöhnliche Materialien erscheinen edel.
Alles ist möglich.
Sie findet scheinbar zufällig und dann beginnt etwas.
Sie zeigt in ihren vornehmlich in Acryl und Öl gemalten Bilder und den Plastiken die in einer Mischtechnik : Papier, Metallgeflecht ,Leim ,Binder oder Holz ausgeführt sind und die seit drei / vier Jahren zunehmend Raum einnehmen eine hohe Eigenständigkeit.
Es gibt ein ungeschminktes Nebeneinander dieser Bilder und die in ihrer rauen oder Fragilen Materialität daherkommenden Plastiken.
Charakteristisch für ihre Plastiken ist dieser Ausdruck von Haltung,
das Verharren in der Bewegung, ein Festhalten.
Jede Figur hat ihre Geschichte scheinbar obzön in den Alltagsgesten getrieben von Angst. Gefangen im Ausdruck der Gefühle.
Diese den Betrachter treffenden, Ihn herausfordernden Plastiken _
Er muss Stellung Beziehen.
Diese Verwandlung des Alltages.
Und immer wieder scheint bedrohliches durch alle Ritzen oder Falten die Verstörung
Der Betrachter wird immer wieder aufgefordert –Etwas – Seins – Sich – Hinzu zu geben.
Erst dann wird das Bild, die Plastik ganz.
Ein Kunstwerk.
Ein erstaunliches Spektrum das Katrin Zickler hat und uns auch zeigt ,
und hoffentlich auch bei ihnen zu einer Vielfalt der Gefühle führt.

Vielen Dank

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Dr. Bernhard Schulz

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